Wie Linux entwickelt wird: Patches, Mailinglisten und Maintainer
Kurz: Der Linux-Kernel entsteht in einem offenen Prozess mit tausenden Beteiligten aus Firmen und Freiwilligen. Alle Änderungen laufen als Patches über Mailinglisten und Maintainer, am Ende entscheidet Linus Torvalds über die Aufnahme in die Hauptversion.
Der Weg einer Änderung
- Jemand schreibt einen Patch (eine kleine, gut begründete Änderung) und prüft ihn gegen den aktuellen Code.
- Er schickt ihn per E-Mail an die zuständige Mailingliste und den Maintainer des Bereichs (die Datei
MAINTAINERSnennt sie). Ein Skript (get_maintainer.pl) hilft. - Andere lesen mit und antworten mit Kritik. Der Patch wird überarbeitet, bis er in Ordnung ist. Bestätigungen stehen als
Reviewed-by:oderTested-by:im Text. - Der Maintainer nimmt ihn in seinen Zweig auf und gibt gesammelte Änderungen an die nächste Ebene weiter.
- In einem Merge-Fenster von zwei Wochen übernimmt Linus die Zweige in die Hauptversion. Danach folgen Vorabversionen (
rc1bisrc7oderrc8) nur mit Korrekturen und dann die Veröffentlichung, siehe Kernel-Versionen und Release-Zyklus.
Regeln und Kultur
- Nicht kaputt machen für bestehende Programme („don’t break userspace“).
- Der Patch muss eine Sache tun, sauber beschrieben, mit
Signed-off-by:(bestätigt, dass man die Rechte hat; das Developer Certificate of Origin). - Der Ton wurde in den letzten Jahren freundlicher; Kritik am Code, nicht an der Person.
Mitmachen
Einsteiger beginnen mit Rechtschreibung in Dokumentation, kleinen Aufräum-Patches oder dem Testen von Release-Kandidaten. Das Projekt Kernel Newbies hilft dabei. Beim Rust-Anteil siehe Rust und eBPF im Linux-Kernel.
Siehe auch: Open-Source-Lizenzen: GPL, MIT und Apache, Geschichte von Linux und GNU