Erlernte Hilflosigkeit: Wenn man aufhört, es zu versuchen
Kurz: Erlernte Hilflosigkeit beschreibt den Zustand, in dem jemand nach wiederholten Erfahrungen von Kontrollverlust aufhört, etwas an seiner Lage zu ändern, selbst wenn es inzwischen möglich wäre. Der Begriff geht auf Experimente von Martin Seligman und Steven Maier in den 1960er-Jahren zurück.
Genauer: Später deuteten Maier und Seligman ihre eigenen Befunde neu: Passivität ist bei anhaltendem Stress eher die Grundreaktion, und gelernt wird vor allem das Gegenteil, nämlich die Erfahrung, Dinge beeinflussen zu können. Das Konzept spielt bis heute eine Rolle beim Verständnis von Motivation und Niedergeschlagenheit.
Im Detail
- Die Ausgangsexperimente: Tiere, die unangenehmen Reizen nicht entkommen konnten, versuchten es später auch dann nicht mehr, als Flucht möglich gewesen wäre; aus heutiger Sicht sind solche Versuche ethisch umstritten.
- Beim Menschen: Auch Menschen geben nach einer Reihe unkontrollierbarer Misserfolge schneller auf, etwa nach vielen schlechten Noten trotz Lernens.
- Erklärungsstil: Wer Misserfolge als dauerhaft, allgemein und rein selbstverschuldet deutet („Ich kann das nie“), ist anfälliger als jemand, der sie als vorübergehend und situationsbedingt sieht.
- Typische Gedanken: „Es bringt sowieso nichts“, „Egal was ich tue, es ändert sich nichts.“
- Zusammenhang mit Depression: Das Modell wurde zur Erklärung depressiver Zustände herangezogen; Depression hat aber viele Ursachen und lässt sich nicht auf diesen einen Mechanismus reduzieren.
- Kontrolle zurückgewinnen: Kleine, gut erreichbare Ziele liefern Erfolgserlebnisse und zeigen, dass das eigene Handeln etwas bewirkt (motivation-und-ziele-erreichen).
- Gedanken prüfen: Hilfreich ist die Frage, ob ein Misserfolg wirklich für alle Bereiche und für immer gilt (resilienz-psychische-widerstandskraft).
- Hilfe holen: Hält Antriebslosigkeit über Wochen an, sind Hausarztpraxis oder Psychotherapie gute Anlaufstellen; in Krisen hilft die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.