Das Induktionsproblem nach Hume
Kurz: Das Induktionsproblem fragt, mit welchem Recht wir aus bisherigen Beobachtungen auf künftige oder noch unbeobachtete Fälle schließen. Dass die Sonne bisher jeden Morgen aufging, beweist logisch nicht, dass sie es auch morgen tut.
Genauer: Der schottische Philosoph David Hume hat das Problem im 18. Jahrhundert besonders scharf formuliert. Es betrifft Alltag und Wissenschaft gleichermaßen, denn beide verlassen sich ständig auf Verallgemeinerungen aus Erfahrung.
Im Detail
- Induktion und Deduktion: Bei einem deduktiven Schluss folgt die Konklusion zwingend aus den Prämissen, bei einem induktiven Schluss wird von Einzelfällen auf eine allgemeine Regel geschlossen, die auch falsch sein kann.
- Humes Einwand: Induktion setzt voraus, dass die Natur gleichförmig bleibt, also die Zukunft der Vergangenheit ähnelt; diese Annahme lässt sich aber weder logisch beweisen noch ohne Zirkel durch Erfahrung begründen.
- Der Zirkel: Wer sagt, Induktion habe bisher immer funktioniert, begründet Induktion wiederum mit einem induktiven Schluss.
- Gewohnheit statt Vernunft: Hume meinte, dass wir aus Gewohnheit erwarten, dass sich Erfahrungen wiederholen, und nicht, weil die Vernunft es uns beweist.
- Das Truthahn-Beispiel: Ein bekanntes Bild beschreibt ein Tier, das jeden Tag gefüttert wird und daraus schließt, dass es immer so weitergeht, bis es eines Tages geschlachtet wird; Bertrand Russell verwendete ein ähnliches Beispiel mit einem Huhn.
- Poppers Antwort: Karl Popper schlug vor, Wissenschaft nicht auf Induktion zu stützen, sondern Theorien kühn aufzustellen und durch Versuche zu prüfen, sie zu widerlegen.
- Wahrscheinlichkeit: Andere Ansätze versuchen, induktive Schlüsse als mehr oder weniger wahrscheinlich zu bewerten, statt absolute Gewissheit zu verlangen.
- Praktische Bedeutung: Niemand verzichtet im Alltag auf Induktion, aber das Problem erinnert daran, dass Erfahrungswissen grundsätzlich vorläufig bleibt (logik-grundlagen-schluesse, rationalismus-und-empirismus, erkenntnistheorie-wissen-und-glauben).