Falsifikation nach Karl Popper
Kurz: Nach Karl Popper zeichnet sich eine wissenschaftliche Theorie dadurch aus, dass sie an der Erfahrung scheitern kann. Sie muss so formuliert sein, dass man sagen kann, welche Beobachtung sie widerlegen würde.
Genauer: Popper entwickelte diesen Gedanken in seinem Buch „Logik der Forschung“ aus den 1930er-Jahren. Seine Haltung wird als kritischer Rationalismus bezeichnet und hat die Wissenschaftstheorie des 20. Jahrhunderts stark geprägt.
Im Detail
- Das Schwanenbeispiel: Noch so viele weiße Schwäne beweisen nicht, dass alle Schwäne weiß sind, aber ein einziger schwarzer Schwan widerlegt diese Behauptung.
- Asymmetrie: Allgemeine Gesetze lassen sich durch Beobachtungen nie endgültig bestätigen, wohl aber widerlegen; darauf baut Poppers Methode auf.
- Abgrenzungskriterium: Falsifizierbarkeit dient Popper als Merkmal, um Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft wie Metaphysik oder Pseudowissenschaft zu unterscheiden.
- Kühne Hypothesen: Gute Theorien wagen viel und verbieten viele mögliche Beobachtungen; je mehr sie riskieren, desto mehr sagen sie über die Welt aus.
- Bewährung statt Beweis: Hält eine Theorie ernsthaften Widerlegungsversuchen stand, gilt sie als bewährt, bleibt aber grundsätzlich vorläufig.
- Kritik an Immunisierung: Popper warnte vor Theorien, die sich so auslegen lassen, dass jede denkbare Beobachtung zu ihnen passt, und nannte dafür unter anderem bestimmte Formen der Psychoanalyse und des Marxismus.
- Einwände: Kritiker wie Thomas Kuhn betonten, dass Wissenschaftler eine bewährte Theorie meist nicht wegen einer einzigen widersprechenden Beobachtung aufgeben.
- Das Problem der Hilfsannahmen: Ein Experiment prüft nie eine Theorie allein, sondern immer zusammen mit Annahmen über Messgeräte und Bedingungen, sodass unklar sein kann, was genau widerlegt wurde.
- Bedeutung im Alltag: Die Frage „Was müsste passieren, damit ich meine Meinung ändere?“ ist ein hilfreicher Test gegen unkritisches Denken (induktionsproblem-hume, erkenntnistheorie-wissen-und-glauben, ockhams-rasiermesser-prinzip).