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Kognitive Dissonanz: Wenn Denken und Handeln nicht zusammenpassen

Kurz: Kognitive Dissonanz ist das unangenehme Gefühl, das entsteht, wenn Überzeugungen, Wissen und Verhalten einander widersprechen. Der Sozialpsychologe Leon Festinger beschrieb das Phänomen 1957.

Genauer: Menschen streben nach innerer Stimmigkeit. Passt etwas nicht zusammen, versuchen wir den Widerspruch aufzulösen, und zwar oft nicht, indem wir das Verhalten ändern, sondern indem wir unsere Gedanken anpassen oder den Widerspruch kleinreden.

Im Detail

  • Typisches Beispiel: Wer raucht und weiß, dass Rauchen schadet, erlebt Dissonanz und sagt sich vielleicht: „Mein Opa hat auch geraucht und wurde 90.“
  • Drei Auswege: Das Verhalten ändern, die Überzeugung ändern oder neue, beruhigende Gedanken hinzufügen.
  • Rechtfertigung nach Entscheidungen: Nach einem teuren Kauf betonen viele die Vorteile und blenden Nachteile aus, um die Wahl als richtig zu erleben.
  • Aufwand rechtfertigen: Was viel Mühe gekostet hat, bewerten Menschen oft besonders positiv, etwa eine schwierige Ausbildung oder eine anstrengende Aufnahmeprüfung.
  • Klassisches Experiment: Bei Festinger und Carlsmith (1959) bewerteten Versuchspersonen eine langweilige Aufgabe positiver, wenn sie für eine Lüge darüber nur wenig Geld bekommen hatten, weil der geringe Lohn die Lüge nicht rechtfertigte.
  • Verbindung zu Denkfehlern: Dissonanz verstärkt den Bestätigungsfehler, weil widersprechende Informationen unangenehm sind (kognitive-verzerrungen).
  • Im Alltag erkennen: Ausreden, Abwerten von Kritik und ein starkes Verteidigungsgefühl können Hinweise auf Dissonanz sein.
  • Konstruktiv nutzen: Wer das Unbehagen bemerkt, kann es als Anstoß nehmen, Verhalten bewusst zu ändern statt nur Gründe zu suchen (gewohnheiten-aendern-und-aufbauen, entscheidungen-treffen-psychologie).