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Fundamentaler Attributionsfehler: Person oder Situation?

Kurz: Der fundamentale Attributionsfehler beschreibt die Neigung, das Verhalten anderer vor allem mit ihrem Charakter zu erklären und die Umstände zu unterschätzen. Den Begriff prägte der Psychologe Lee Ross 1977.

Genauer: Wenn jemand drängelt, denken wir schnell „Was für ein rücksichtsloser Mensch“, statt an eine mögliche Notlage. Bei uns selbst sehen wir dagegen eher die Situation als Ursache. Wie stark der Effekt ist, unterscheidet sich zwischen Kulturen und Situationen.

Im Detail

  • Attribution: So nennt die Psychologie die Zuschreibung von Ursachen, etwa „Er ist faul“ (Person) oder „Er hatte keine Zeit“ (Situation).
  • Klassische Studie: Bei Edward Jones und Victor Harris (1967) hielten Versuchspersonen die Verfasser von Aufsätzen für überzeugt von deren Inhalt, obwohl sie wussten, dass die Position vorgegeben war.
  • Akteur-Beobachter-Unterschied: Eigene Fehler erklären wir eher mit den Umständen, fremde eher mit der Persönlichkeit.
  • Selbstwertdienliche Verzerrung: Erfolge schreiben sich viele selbst zu, Misserfolge eher äußeren Umständen (kognitive-verzerrungen).
  • Kulturelle Unterschiede: Studien deuten darauf hin, dass Menschen in eher gemeinschaftlich geprägten Kulturen Situationen stärker berücksichtigen.
  • Folgen im Alltag: Vorschnelle Urteile über Kolleginnen, Mitschüler oder Fremde können Konflikte verschärfen (konflikte-am-arbeitsplatz-loesen).
  • Gegenmittel: Bewusst fragen: „Welche Umstände könnten dieses Verhalten erklären?“ und nachfragen, statt zu unterstellen.
  • Nicht alles entschuldigen: Situationen zu bedenken heißt nicht, Verantwortung abzusprechen, sondern ein vollständigeres Bild zu bekommen (kommunikation-vier-ohren-modell).