RAID ist kein Backup: Schutz vor Ausfall versus Schutz vor Verlust
Kurz: RAID hält ein System bei Defekt einer Festplatte am Laufen, schützt aber nicht vor Löschen, Viren, Brand oder Diebstahl; dafür braucht es ein echtes Backup an einem anderen Ort.
Genauer: Ein häufiger Irrtum: „Meine Daten liegen auf zwei Platten, also sind sie sicher.“ RAID (Redundant Array of Independent Disks) verteilt oder spiegelt Daten über mehrere Laufwerke, um Verfügbarkeit zu erhöhen. Backup schafft eine unabhängige, ältere Kopie, um Daten wiederherzustellen.
Im Detail
Was RAID leistet
- RAID 1 (Spiegelung): zwei Platten mit identischem Inhalt; fällt eine aus, läuft das System weiter.
- RAID 5/6: Daten plus Parität über 3+ Platten; eine (RAID 5) oder zwei (RAID 6) Platten dürfen ausfallen.
- RAID 10: Spiegelung und Striping, schnell und sicher.
- RAID 0 (Striping): nur Tempo, keine Redundanz – eine Platte weg, alles weg. RAID schützt vor Hardware-Ausfall einzelner Laufwerke und ermöglicht Reparatur im Betrieb.
Was RAID nicht kann
- Versehentliches Löschen oder Überschreiben: wird sofort auf allen Platten ausgeführt.
- Ransomware, Viren, Softwarefehler, Dateisystemfehler: werden mitgespiegelt.
- Brand, Wasser, Blitz, Diebstahl: betreffen alle Platten im selben Gerät.
- Controller- oder Netzteilfehler, die das ganze Array zerstören.
- Mehrere gleichzeitige Defekte (gleiche Charge, hohe Belastung beim Wiederaufbau).
- Nutzerfehler bei Austausch/Neuaufbau.
Richtig sichern
Nutze die 3-2-1-Regel: 3 Kopien, auf 2 verschiedenen Medien, 1 an einem anderen Ort (Cloud, Zweitstandort). Dazu versionierte Backups (Snapshots, Time Machine, restic), eine Offline-/Offsite-Kopie gegen Ransomware und Wiederherstellungstests. RAID/NAS ist Teil des Betriebs, das Backup liegt zusätzlich außerhalb. Auch Cloud-Synchronisation ist kein Backup (Löschungen werden synchronisiert).
Wann lohnt RAID?
Wenn Ausfallzeiten teuer sind (Server, NAS für Familie/Büro, Videoschnitt mit Dauerzugriff). Für ein privates System genügt oft eine Platte plus gutes Backup. Plane Ersatzlaufwerke, Überwachung (SMART, E-Mail-Alarm) und die Wiederherstellung. Beim Aufbau Laufwerke unterschiedlicher Chargen nutzen.
Siehe auch: RAID, Backup-Strategie (3-2-1), NAS-Server, SSD- und Festplatten-Gesundheit