Aufnahme
Kurz: Das Festhalten von Audio-, Video- oder Bildschirminhalten in einer Datei, damit sie später wiedergegeben oder weiterverarbeitet werden können.
Genauer: Je nach Quelle braucht es unterschiedliche Hardware oder Software: Mikrofon und Kamera für Ton/Bild, Screen-Capture-Software für Bildschirminhalte, eine Capture-Card für externe Videosignale. Die Aufnahme wird dabei meist direkt in einem komprimierten Format (z. B. MPEG) gespeichert, um Speicherplatz zu sparen.
Im Detail
Qualität vs. Dateigröße
Bei jeder Aufnahme entsteht ein Zielkonflikt zwischen Qualität und Dateigröße: unkomprimiertes Video- oder Audiomaterial ist verlustfrei, aber enorm groß (wenige Minuten unkomprimiertes 4K-Video können mehrere Gigabyte belegen), weshalb praktisch jede Aufnahmesoftware direkt beim Aufzeichnen komprimiert — meist mit verlustbehafteten Codecs wie MPEG-4/H.264 (weit verbreitet, gute Kompatibilität) oder dem effizienteren, aber rechenintensiveren H.265/HEVC für Video, sowie AAC/MP3 für Audio. Wie stark komprimiert wird (Bitrate, gemessen in Mbit/s), bestimmt dabei direkt die spätere Bildqualität und Dateigröße — eine höhere Bitrate bedeutet weniger sichtbare Kompressionsartefakte (Blockbildung, Unschärfe in bewegten Szenen), aber proportional größere Dateien.
Software- vs. Hardware-Encoding
Bei Bildschirmaufnahmen unterscheidet man zusätzlich zwischen Software-Encoding (die CPU übernimmt die Kompression per Software, flexibel und oft qualitativ etwas besser bei gleicher Bitrate, aber rechenintensiv) und Hardware-Encoding (eine dedizierte, fest verbaute Einheit in Grafikkarte oder CPU übernimmt das, z. B. NVENC bei Nvidia- oder Quick Sync bei Intel-Chips). Hardware-Encoding belastet das laufende System deutlich weniger, was besonders beim gleichzeitigen Spielen und Aufnehmen (Streaming) relevant ist, da die eigentliche Spiel-Performance sonst spürbar einbrechen würde, wenn die CPU parallel noch das Video komprimieren müsste.
Audioaufnahme: Abtastrate und Bittiefe
Für Ton-Aufnahmen spielt zusätzlich die Abtastrate (Sample Rate, z. B. 44,1 kHz — CD-Qualität — oder 48 kHz, Standard bei Video/Film) und die Bittiefe (z. B. 16-Bit oder 24-Bit) eine Rolle, die zusammen bestimmen, wie fein das analoge Signal des Mikrofons in digitale Werte zerlegt wird. Eine höhere Abtastrate erfasst höhere Frequenzen genauer, eine höhere Bittiefe erlaubt einen größeren Dynamikumfang (Unterschied zwischen leisesten und lautesten darstellbaren Tönen) und mehr Spielraum bei nachträglicher Lautstärkebearbeitung, ohne dass Rauschen oder Verzerrungen hörbar werden.
Latenz bei Live-Aufnahmen
Bei Live-Übertragungen (Streaming, Videokonferenzen) kommt eine weitere Anforderung hinzu: niedrige Latenz, also eine möglichst kurze Verzögerung zwischen Aufnahme und Wiedergabe beim Empfänger. Stark komprimierende Codecs mit hoher Kompressionseffizienz brauchen oft mehr Rechenzeit und damit mehr Latenz — bei interaktiven Anwendungen (Videotelefonie) wird deshalb häufig ein Kompromiss zugunsten geringerer Latenz statt maximaler Kompressionseffizienz gewählt.
Container-Format vs. Codec
Ein häufiges Missverständnis ist die Verwechslung von Container-Format (z. B. .mp4, .mkv, .mov) und Codec (z. B. H.264, H.265, AV1): Der Container ist nur die “Verpackung”, die Video-, Audio- und Metadatenspuren zusammenhält, der Codec bestimmt dagegen, wie die eigentlichen Bild-/Tondaten komprimiert sind. Dieselbe .mp4-Datei kann je nach verwendetem Codec unterschiedlich groß und unterschiedlich breit kompatibel sein — ältere Wiedergabegeräte unterstützen oft nur H.264, während H.265 zwar effizienter komprimiert (kleinere Dateien bei gleicher Qualität), aber mehr Rechenleistung beim Dekodieren braucht und nicht überall unterstützt wird. .mkv als Container erlaubt zudem mehrere Ton- und Untertitelspuren gleichzeitig, was bei .mp4 historisch eingeschränkter war.
Speicherort: lokal vs. Cloud/Streaming
Aufnahmen können entweder lokal auf einem Massenspeicher (SSD/HDD) abgelegt oder direkt gestreamt werden, ohne je lokal vollständig gespeichert zu werden (Livestreaming an eine Plattform). Bei lokalen Aufnahmen mit hoher Bitrate ist die Schreibgeschwindigkeit des Massenspeichers ein oft unterschätzter Flaschenhals — bei sehr hochauflösenden, wenig komprimierten Aufnahmen (z. B. professionelle Videoproduktion) kann selbst eine schnelle SSD an ihre Grenzen stoßen, weshalb dort teils bewusst auf schnellere, aber teurere RAID-Verbünde aus mehreren SSDs gesetzt wird, um die nötige Dauerschreibrate zu garantieren.
Siehe auch: Capture, Mikrofon, Kamera, Capture-Card