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Kipppunkte im Klimasystem

Kurz: Ein Kipppunkt ist eine kritische Schwelle, ab der ein Teil des Klimasystems in einen neuen Zustand übergeht, der sich oft selbst verstärkt. Selbst wenn die Erwärmung später wieder sinkt, lässt sich die Veränderung dann nur schwer oder gar nicht rückgängig machen.

Genauer: Wissenschaftler bezeichnen solche Teile als Kippelemente, zum Beispiel große Eisschilde, Meeresströmungen oder Ökosysteme. Der Weltklimarat IPCC stuft das Risiko solcher abrupten und unumkehrbaren Veränderungen als umso höher ein, je stärker die Erde sich erwärmt.

Im Detail

  • Das Grundprinzip: Ähnlich wie ein Stuhl, den man zu weit nach hinten kippt, bleibt ein System bis zu einer Schwelle stabil und fällt dann in einen anderen Zustand.
  • Rückkopplungen: Viele Kippelemente verstärken sich selbst; schmilzt etwa Eis, wird weniger Sonnenlicht zurückgeworfen, die Fläche erwärmt sich stärker, und noch mehr Eis schmilzt.
  • Eisschilde: Der grönländische und der westantarktische Eisschild könnten bei anhaltender Erwärmung über Jahrhunderte bis Jahrtausende großflächig abschmelzen und den Meeresspiegel um mehrere Meter anheben.
  • Permafrost: Tauen dauerhaft gefrorene Böden in der Arktis, können sie Kohlendioxid und Methan freisetzen, was die Erwärmung weiter antreibt.
  • Amazonas-Regenwald: Durch Abholzung und Trockenheit könnte sich der Regenwald in Teilen in eine trockenere, savannenähnliche Landschaft verwandeln.
  • Atlantische Umwälzströmung: Dieses Strömungssystem, zu dem der Golfstrom gehört, transportiert Wärme nach Norden; Forschende untersuchen, ob und wann es sich durch Schmelzwasser stark abschwächen könnte.
  • Korallenriffe: Tropische Warmwasserkorallen reagieren besonders empfindlich auf steigende Meerestemperaturen und gelten als eines der am stärksten gefährdeten Systeme.
  • Unsicherheit: Wo genau die Schwellen liegen, ist schwer zu bestimmen; einige Studien deuten darauf hin, dass manche Kipppunkte schon bei 1,5 bis 2 Grad Erwärmung erreicht werden könnten.
  • Warum das wichtig ist: Gerade weil die Schwellen unsicher sind, gilt jedes vermiedene Zehntelgrad Erwärmung als Beitrag zur Verringerung des Risikos (klimawandel-grundlagen, pariser-klimaabkommen, moore-als-klimaschuetzer).