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Screenreader und assistive Technologien: Computer ohne Bildschirm nutzen

Kurz: Screenreader lesen den Bildschirminhalt vor oder geben ihn in Blindenschrift aus; weitere Hilfen unterstützen Menschen mit Seh-, Hör-, Bewegungs- oder Lernbeeinträchtigungen.

Genauer: Millionen Menschen nutzen Computer und Smartphones mit speziellen Hilfen, die assistive Technologien heißen. Für Webentwicklung und Alltag lohnt es sich zu wissen, wie sie arbeiten, denn nur gut gebaute Seiten sind damit bedienbar.

Im Detail

Screenreader

Ein Screenreader liest Text, Schaltflächen, Überschriften und Bildbeschreibungen vor (Sprachausgabe) oder gibt sie über eine Braillezeile aus. Bedient wird er mit der Tastatur: Mit Tasten springt man von Überschrift zu Überschrift, Link zu Link oder Formularfeld zu Formularfeld. Bekannte Programme: NVDA (kostenlos, Windows), JAWS (kostenpflichtig, Windows), VoiceOver (macOS, iOS), TalkBack (Android), Orca (Linux). Der Screenreader nutzt keine Bildinformationen, sondern die Struktur des Dokuments (Barrierefreiheits-Baum).

Weitere Hilfsmittel

  • Bildschirmlupe und hohe Kontraste, große Schrift für Sehbehinderung.
  • Spracherkennung zur Steuerung (Sprachbefehle) und Diktat.
  • Alternative Eingabegeräte: Trackball, Kopf- oder Augensteuerung, Einhand-Tastaturen, Schaltersysteme.
  • Untertitel und Gebärdensprache für Gehörlose.
  • Vorlesefunktionen, Lesehilfen und einfache Sprache bei Lese-Rechtschreib-Schwäche oder kognitiven Beeinträchtigungen.

Was Webseiten dafür brauchen

Semantisches HTML (Überschriften h1 bis h6, Listen, Tabellen mit Überschriften, button statt anklickbarer Textfelder), Alternativtexte für Bilder (alt), beschriftete Formularfelder (label), sichtbarer Tastaturfokus, ausreichender Kontrast, und ARIA nur dort, wo HTML nicht genügt. Die Richtlinien WCAG und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) machen dies für viele Angebote zur Pflicht.

Selbst ausprobieren

Schalte Maus und Bildschirm eine Weile weg: Starte NVDA oder VoiceOver (Cmd+F5) und navigiere deine Seite nur mit der Tastatur. Tab-Reihenfolge, Bezeichnungen und Hinweise zeigen schnell Lücken. Automatische Prüfer wie Lighthouse oder axe finden einen Teil der Probleme, ersetzen den Test mit Menschen aber nicht.

Siehe auch: Barrierefreie Webseiten bauen, WCAG und Farbkontrast, BFSG, Semantisches HTML