MariaDB
Kurz: Ein Open-Source-Datenbanksystem, das als direkter Fork von MySQL entstand, nachdem Oracle MySQL übernommen hatte — weitgehend kompatibel, aber unabhängig weiterentwickelt.
Genauer: MariaDB wurde 2009 von den ursprünglichen MySQL-Entwicklern gestartet, aus Sorge, Oracle könnte MySQL proprietär schließen. Es ist bis heute API- und meist drop-in-kompatibel zu MySQL, hat sich seitdem aber mit eigenen Features (z. B. anderen Storage-Engines) weiterentwickelt.
Im Detail
Der Fork und seine Motivation
Der Auslöser für den Fork war Oracles Übernahme von MySQLs damaligem Eigentümer Sun Microsystems 2009/2010 — Teile der ursprünglichen MySQL-Community (allen voran MySQL-Mitgründer Michael “Monty” Widenius) befürchteten, ein kommerzieller Konzern könnte künftige Versionen stärker proprietär ausrichten, die Lizenzbedingungen verschärfen oder die Weiterentwicklung schlicht verlangsamen zugunsten von Oracles eigener Datenbank. Sie forkten den letzten offenen MySQL-Stand als eigenständiges, unter der GPL bleibendes Projekt namens MariaDB (benannt nach Widenius’ Tochter Maria — MySQL selbst war nach seiner anderen Tochter My benannt).
Kompatibilität in der Praxis
“Drop-in-kompatibel” bedeutet praktisch: dieselben SQL-Befehle, dasselbe Netzwerkprotokoll, dieselben Client-Bibliotheken funktionieren meist unverändert gegen MariaDB wie gegen MySQL — eine Anwendung, die für MySQL geschrieben wurde, lässt sich in den meisten Fällen ohne Codeänderung gegen eine MariaDB-Instanz umstellen, nur die Verbindungsdaten ändern sich. Viele Linux-Distributionen (z. B. manche Debian/Ubuntu-Varianten) haben MySQL in ihren Standard-Paketquellen sogar komplett durch MariaDB ersetzt, ohne dass bestehende Anwendungen etwas davon merken — der Paketname mysql-server installiert dort de facto MariaDB.
Divergenz über die Zeit
Über die Jahre haben sich beide Projekte auseinanderentwickelt: unterschiedliche Storage-Engines (MariaDB bringt z. B. Aria und ColumnStore mit, die es bei MySQL nicht gibt), unterschiedliche Replikationsfeatures für verteilte Datenbank-Cluster, und unterschiedliche JSON-Unterstützung (MySQL führte einen eigenen nativen JSON-Datentyp ein, MariaDB implementiert JSON-Funktionen teilweise anders). Sehr neue MySQL-Features (z. B. bestimmte Erweiterungen der jüngeren MySQL-8-Versionen) sind daher nicht mehr garantiert 1:1 in MariaDB verfügbar, und umgekehrt.
Cloud-Angebote
Wie MySQL wird auch MariaDB von den großen Cloud-Anbietern als verwalteter Dienst angeboten (AWS RDS, Azure Database, Google Cloud SQL), was den Betrieb (Backups, Skalierung, Updates) erheblich vereinfacht gegenüber einem selbst gehosteten Server. Für neuere Projekte gewinnen zunehmend PostgreSQL-basierte Serverless-Angebote wie NeonDB an Beliebtheit, die einen anderen Kompromiss anbieten (automatische Skalierung, Pay-per-Use statt fester Serverkosten).
Siehe auch: SQL, MySQL, NeonDB, PostgreSQL