Kotlin
Kurz: Eine moderne, prägnantere Alternative zu Java auf der JVM — seit 2019 Googles empfohlene Sprache für native Android-Entwicklung.
Genauer: Kotlin ist zu Java kompatibel (kann denselben Bytecode erzeugen, mit Java-Bibliotheken interagieren), vermeidet aber viele Schwachstellen und Umständlichkeiten von Java (z. B. eingebaute Null-Sicherheit gegen NullPointerExceptions, kürzere Syntax). Wird auch außerhalb von Android zunehmend als allgemeine JVM-Sprache genutzt.
Im Detail
Null-Sicherheit als Kernfeature
fun begruessung(name: String?): String {
return "Hallo, ${name ?: "Unbekannt"}"
}
// Datenklasse - deutlich kürzer als Javas Äquivalent
data class Nutzer(val name: String, val alter: Int)
val nutzer = Nutzer("Anna", 28)
val (name, alter) = nutzer // DestrukturierungKotlins bekannteste Verbesserung gegenüber Java ist die eingebaute Null-Sicherheit: der Typ eines Werts legt im Kotlin-Typsystem bereits fest, ob er null sein darf (String?) oder garantiert nicht null ist (String) — der Compiler verweigert Code, der versucht, ohne vorherige Prüfung auf einen möglicherweise-null-Wert zuzugreifen. Das nimmt der berüchtigten NullPointerException (in Java-Kreisen scherzhaft “Milliarden-Dollar-Fehler” genannt, da ihr Erfinder Tony Hoare selbst ihre Einführung 1965 als seinen teuersten Fehler bezeichnete) schon zur Kompilierzeit den Wind aus den Segeln.
Prägnantere Syntax
Neben Null-Sicherheit reduziert Kotlin generell den Boilerplate-Code gegenüber Java erheblich: Datenklassen (data class) generieren automatisch Konstruktor, Getter, equals(), hashCode() und toString(), wofür Java deutlich mehr manuell geschriebenen (oder generierten) Code bräuchte. Auch fehlende Semikolons, automatische Typ-Inferenz (val x = 5 statt int x = 5) und Lambda-Ausdrücke als First-Class-Feature machen typischen Kotlin-Code oft 30-40% kürzer als äquivalenten Java-Code.
Interoperabilität und schrittweise Migration
Weil Kotlin zu 100% mit Java interoperabel ist (beide kompilieren zum selben JVM-Bytecode, können sich innerhalb desselben Projekts gegenseitig aufrufen), lässt es sich schrittweise in bestehende Java-Projekte einführen — neue Klassen in Kotlin schreiben, während alter Java-Code unverändert weiterläuft, statt eine riskante Komplett-Migration auf einmal durchführen zu müssen. Das war ein wichtiger Grund für die schnelle Verbreitung, seit Google 2019 Kotlin zur bevorzugten Sprache für native Android-Entwicklung erklärt hat (vorher war Java der De-facto-Standard für native Android-Apps).
Über Android hinaus
Kotlin stammt ursprünglich vom Unternehmen JetBrains (Hersteller bekannter Entwicklungsumgebungen wie IntelliJ IDEA) und wird zunehmend auch außerhalb von Android als allgemeine JVM-Sprache genutzt — für Backend-Entwicklung (z. B. mit dem Spring-Framework), oder sogar über Kotlin Multiplatform für Code, der gleichzeitig auf Android, iOS und im Web läuft.