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SHA-128

Kurz: In der offiziellen SHA-Familie existiert kein Standardalgorithmus mit exakt 128 Bit Ausgabelänge — gemeint ist hier vermutlich ein weiterer, kürzerer Hash-Typ zur Abgrenzung von SHA-256/SHA-512 in der SHA-Typen-Übersicht.

Genauer: Die tatsächlichen SHA-Standards sind SHA-1 (160 Bit, veraltet), SHA-224, SHA-256, SHA-384 und SHA-512 (SHA-2-Familie) sowie SHA3-224 bis SHA3-512 (SHA-3-Familie, anderer interner Aufbau). Ein 128-Bit-Hash wird in der Praxis meist mit MD5 (128 Bit, kryptografisch gebrochen, nicht mehr für Sicherheitszwecke geeignet) assoziiert. Für eine belastbare Aussage zur exakten Quelle dieses Begriffs lohnt ein Abgleich mit der IHK-Unterrichtsmaterial-Übersicht der SHA-Varianten.

Im Detail

Die Verwirrung um “SHA-128” kommt vermutlich daher, dass die SHA-Ausgabelängen auf den ersten Blick wie eine durchgehende Reihe wirken (128, 160, 256, 384, 512 Bit), tatsächlich aber jede Familie ihre eigenen, historisch gewachsenen Varianten hat:

MD5     - 128 Bit  (kein SHA, kryptografisch gebrochen, nicht sicher verwenden)
SHA-1   - 160 Bit  (SHA-Familie, seit 2017 praktisch gebrochen)
SHA-256 - 256 Bit  (SHA-2-Familie, aktueller Standard)
SHA-384 - 384 Bit  (SHA-2-Familie)
SHA-512 - 512 Bit  (SHA-2-Familie)

Wer explizit einen 128-Bit-Hash benötigt (z. B. aus Kompatibilitätsgründen mit einem alten System), landet in der Praxis fast immer bei MD5 — mit der wichtigen Einschränkung, dass MD5 für jeden sicherheitsrelevanten Zweck (Passwörter, Signaturen, Zertifikate) ungeeignet ist, da gezielt Kollisionen erzeugt werden können. Für nicht-sicherheitskritische Zwecke (z. B. eine schnelle Prüfsumme zur Erkennung zufälliger Dateikorruption) ist MD5 dagegen weiterhin gebräuchlich, einfach weil es sehr schnell ist.

Falls dieser Begriff aus einem konkreten Lehrmaterial stammt, das tatsächlich “SHA-128” als eigenständigen Algorithmus nennt, handelt es sich vermutlich um eine vereinfachende oder ungenaue Bezeichnung für einen der oben genannten Algorithmen — es lohnt sich, im Zweifel bei der Quelle nachzufragen, welcher konkrete Algorithmus gemeint war.

Warum MD5 trotz Unsicherheit noch existiert

Obwohl MD5 seit den 2000er-Jahren als kryptografisch gebrochen gilt (2004 zeigten chinesische Forscher praktisch durchführbare Kollisionen), verschwindet der Algorithmus nicht vollständig aus der Praxis — er wird weiterhin in Kontexten eingesetzt, in denen es NICHT um Schutz vor absichtlicher Manipulation geht, sondern nur um schnelle Erkennung zufälliger Fehler: Manche Legacy-Systeme nutzen MD5-Prüfsummen zur Erkennung von Übertragungsfehlern bei Dateikopien, oder als schneller (nicht-sicherheitskritischer) Cache-Schlüssel, unter dem sich Inhalte eindeutig identifizieren lassen. Für jeden Zweck, bei dem ein Angreifer aktiv versuchen könnte, eine Kollision zu erzeugen (Signaturen, Zertifikate, Passwörter), ist MD5 dagegen kategorisch ungeeignet.

Die generelle Verwirrung um Hash-Bezeichnungen

Ein wiederkehrendes Missverständnis bei Hash-Algorithmen ist die Annahme, die Zahl im Namen entspreche immer exakt einer fortlaufenden Generationsnummer — tatsächlich bezeichnet sie fast immer die Ausgabelänge in Bit, nicht eine Versionsnummer. Das führt zu scheinbar unlogischen Sprüngen (SHA-1 auf 160 Bit, dann direkt SHA-256 auf 256 Bit, kein “SHA-2” mit 128 oder 192 Bit) und erklärt, warum ein Begriff wie “SHA-128” leicht als plausibel erscheinen kann, obwohl er in keinem offiziellen Standard tatsächlich existiert.

Praktische Konsequenz für die Praxis

Wer heute vor der Entscheidung steht, welchen Hash-Algorithmus er in einem eigenen Projekt einsetzt, sollte sich an einer einfachen Faustregel orientieren: Für alles Sicherheitsrelevante (Passwort-Hashing, Signaturen, Integritätsprüfung von Downloads) gilt aktuell SHA-256 als solider Standard, SHA3-256 als modernere Alternative mit einem strukturell anderen internen Aufbau (dadurch unabhängig von eventuellen zukünftigen Schwächen in der SHA-2-Konstruktion). Für reines Passwort-Hashing sind spezialisierte Algorithmen wie bcrypt, scrypt oder Argon2 sogar noch besser geeignet als ein einfacher SHA-Hash, da sie absichtlich langsam und speicherintensiv konstruiert sind, um automatisiertes Ausprobieren (Brute-Force) massiv zu verlangsamen — ein einfacher, sehr schneller SHA-256-Hash ist für diesen speziellen Zweck sogar ein Nachteil, weil er Angreifern das massenhafte Durchprobieren erleichtert.

Siehe auch: SHA-Typen, Hashing